
Glaube trotz Zweifel
Heutzutage scheint es für viele Menschen nahezu unmöglich, dass Wunder überhaupt geschehen könnten – geschweige denn, dass man an die Auferstehung glauben sollte.
Gerade hier in Deutschland gibt es eine lange theologische Tradition, in der Denker wie Rudolf Bultmann versucht haben, zu einem „modernen“ Verständnis des christlichen Glaubens zu gelangen – einem Verständnis, das keine Wunder und keine tatsächliche Auferstehung mehr voraussetzt.
„Man kann nicht elektrisches Licht und Radioapparat benutzen, in Krankheitsfällen moderne medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen und gleichzeitig an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments glauben. Und wer meint, es für seine Person tun zu können, muß sich klar machen, daß er, wenn er das für die Haltung des christlichen Glaubens erklärt, damit die christliche Verkündigung in der Gegenwart unverständlich und unmöglich macht“ (Neues Testaments und Mythologie, 18).
In meiner Masterarbeit, in der ich das Johannesevangelium untersucht habe, habe ich auch Bultmanns Kommentar gelesen. Darin versucht er, den mythologischen Hintergrund des Evangeliums zu erklären, ausgehend von der Annahme, dass die Wunder – insbesondere die Auferstehung – nicht wirklich stattgefunden haben.
Warum glauben wir in einer Zeit der Skepsis immer noch daran, dass die Auferstehung nicht nur ein christlicher Mythos ist, sondern wirklich stattgefunden hat?
Die Zeugen der Auferstehung
Rudolf Bultmann war nicht die erste Person, die an der Auferstehung Jesu zweifelte. Auch Thomas, einer der Jünger Jesu, ist ein bekanntes Beispiel dafür.
Doch Thomas zweifelte: »Das glaube ich nicht! Ich glaube es erst, wenn ich seine durchbohrten Hände gesehen habe. Mit meinen Fingern will ich sie fühlen, und meine Hand will ich in die Wunde an seiner Seite legen.« (Johannes 20,25)
Im Johannesevangelium spielt Thomas eine größere Rolle als in den anderen Evangelien. Er bringt vieles durch Fragen zur Sprache und wirkt dabei selbst ein wenig skeptisch (sehe Johannes 11,18 und 14,5).
Was war das Zeichen, das Gott Thomas gegeben hat, und was bedeutet es?
Das Leere Grab
Zuerst gibt es das leere Grab (Johannes 20,1-10).
Wurde der Leichnam Jesu gestohlen? Wurde er weggebracht? Oder hat Gott Jesus wirklich von den Toten auferweckt? Den Autoren der Evangelien waren bewusst, dass dies Anlass zu Zweifeln geben würde, und sie gingen sofort darauf ein. Das leere Grab ist ein Zeugnis. Karl Barth zufolge…
„Das leere Grab kann gewiss nicht als ‚historischer‘ Beweis dienen … aber es ist in der Tat eine unverzichtbare Begleiterscheinung der Bezeugung, dass Jesus von den Toten auferstanden ist“ (Kirchliche Dogmatik, IV, 341).
Was macht das leere Grab von Jesus möglich?
Wenn Gott wirklich existiert, ist alles möglich. Gott kann in die Geschichte eingreifen. Gott ist ein Gott der Wunder. Er hat die Welt und ihre physikalischen Gesetze erschaffen.
Gegen Bultmann können Die Welt der modernen Wissenschaft und die Welt der Wunder durchaus nebeneinander existieren. Gott respektiert diese Gesetze und handelt im Rahmen dieser Gesetze, weil er sie selbst geschaffen hat. Es gibt jedoch Zeiten, in denen Gott eingreift. Er tut dies aus einem ganz bestimmten Heilsplan heraus.
Das Zeugnis der Jünger
Zweitens besteht das Zeugnis der Jünger (Johannes 20,11-23). Das leere Grab ist ein Aspekt des Zeugnisses, aber das reichte nicht aus. Er selbst erschien den Jüngern ganz persönlich.
Können wir dem Zeugnis der Jünger vertrauen? Ist das der Anfang einer mythologischen Erfindung? Interessant ist jedoch: Wenn Jesus nicht von den Toten auferstanden wäre, welchen Grund hätten sie dann gehabt, das zu erfinden?
Laut einem anderen NT-Forscher, N. T. Wright, gab es andere messianische Bewegungen des ersten Jahrhunderts, Menschen, die Männern folgten, die behaupteten, der Messias zu sein. Aber die Römer kreuzigten auch sie, und ihre Bewegung verlief im Sande.
Die Realität ist: Die Jünger hatten Angst. Sie alle hatten erwartet, dass Jesus ein Messias wie David sein und die Römer vertreiben würde, aber er starb. Sie alle, besonders Petrus, verleugneten Jesus. Nach seinem Tod sehen wir, wie sie sich in einem Raum versteckten. Sie fürchteten um ihr Leben. Es muss wirklich etwas passiert sein, das sie zu solcher Kühnheit inspiriert hat.
Die Wunden von Jesus
Drittens hat Jesus ihm seine Wunden gezeigt (Johannes 1,24-29). Thomas musste Jesus selbst erleben. Das Zeugnis der anderen Jünger reichte ihm nicht. Jesus kannte Thomas’ Zweifel und ging auf ihn ein, so wie er gerade war.
Dann wandte er sich an Thomas: »Leg deinen Finger auf meine durchbohrten Hände und sieh sie dir an! Gib mir deine Hand und leg sie in die Wunde an meiner Seite! Zweifle nicht länger, sondern glaube!« Thomas antwortete: »Mein Herr und mein Gott!« (Johannes 10,27-28)
Warum hat sich Jesus Thomas gegen so verhalten? Weil er Thomas geliebt hat. Gott ist ein beziehungsorientierter Gott der Liebe. Er hat eine echte Beziehung mit Thomas gewollt.
Diese Geschichte bestätigt, dass Jesus, der Gekreuzigte, wahrhaftig der Messias ist. Er ist für unsere Sünde gestorben. Die Auferstehung bezeugt Jesus als Würdig für unsere Erlösung. Und er hat das getan, weil der Vater uns geliebt hat.
In der Reaktion darauf gibt Thomas das deutlichste Bekenntnis zu Jesus als dem fleischgewordenen Wort, als dem Mensch gewordenen Gott.
Interessanterweise wurde Thomas zu einem einflussreichen Apostel Christi. Der Überlieferung zufolge reiste er bis nach Indien, um dort das Evangelium zu verkünden. Tatsächlich gibt es heute in Indien Kirchen, die behaupten, ihren Ursprung in der Missionsarbeit von Thomas zu haben.
Die Auferstehung für uns heute
Glaube trotz Zweifel
Zuerst sind Zweifeln kein Hindernis für Glaube. Der Herr ist groß genug für unsere Zweifel. Der Glaube ist größer als unsere Zweifel. So wie Jesus Thomas gnädig war, so ist er auch uns gnädig. Er möchte uns segnen, wenn wir im Glauben zu ihm kommen.
Vielleicht befinden wir uns in einer ähnlichen Lage wie Bultmann. Wir lieben die Geschichte von Jesus. Aber wir kämpfen mit Zweifeln daran, ob das, was die Bibel sagt, im historischen Sinne wirklich wahr ist. Wir wollen nicht getäuscht werden. Wie Thomas wollen wir die Wahrheit. Wir wollen, dass das, woran wir glauben, echt ist. Jesus kommt zu uns in unseren Zweifeln und spricht uns Frieden zu. Er ist größer als unsere Zweifel.
Wo hast du Fragen oder Zweifel? Bringt eure Fragen und Zweifel mit. Jesus kann zu uns sprechen, genau dort, wo wir gerade stehen.
Jesus offenbart sich
Zweitens ist Christlicher Glaube persönlich. Vielleicht sind wir offen für den Gedanken, dass Gott existiert. Vielleicht gefällt uns die Vorstellung von Jesus. Aber sind wir Jesus begegnet? Haben wir persönlich im Glauben auf Jesus reagiert?
Was mich persönlich überzeugt hat, waren nicht unbedingt Argumente für oder gegen die Existenz Gottes oder Argumente für die wundersame Auferstehung Jesu. Sondern es war eine Begegnung mit Jesus selbst. Der Schritt des Glaubens besteht bei mir darin, diesen Schritt zu tun: Ich bin bereit zu glauben. Ich bin bereit, mich hinzugeben.
Kennst du Jesus als Idee oder persönlich? Jesus kann uns zu einem lebendigen Glauben und einer persönlichen Beziehung zu ihm führen.
Eine neue Art von Frieden
Drittens bringt der auferstandene Jesus Frieden. Wo brauchst du diesen Frieden heute? Wann immer der auferstandene Jesus seinen Jüngern begegnete, begrüßte er sie mit den Worten: „Friede sei mit euch!“
Jesus ist gekommen, um uns einen Frieden zu schenken, den unsere zerbrochene Welt nicht kennt. Was wir in diesen Auferstehungsgeschichten sehen, ist, dass Jesus immer in Frieden kommt.
»Dies alles habe ich euch gesagt, damit ihr durch mich Frieden habt. In der Welt werdet ihr hart bedrängt, aber lasst euch nicht entmutigen: Ich habe diese Welt besiegt.« (Johannes 16,33)
Wir, die wir den Frieden Gottes in Jesus Christus erfahren haben, können nur Zeugnis davon ablegen und sagen, dass Gott uns einen Frieden schenken kann, der uns in einer zerbrochenen und unbeständigen Welt Halt gibt. Jesus ist gekommen, um uns einen Frieden zu schenken, den unsere zerbrochene Welt nicht kennt.

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